"Ziemlich beste Freunde."



Es gibt Tage, da nimmt mir das Wetter die letzten zarten Sprossen einer ohnehin "überschaubaren" Motivation. Die Natur zeigt sich in einem grau-braunen Einheitsbrei, nass und kalt. Keinerlei Chance für die Sonne, um mir etwas vom aufbauenden Vitamin D zu spenden. So geschehen in den ersten Jännertagen des neuen Jahres. An solchen Tagen helfen mir schlussendlich meine "ziemlich besten Freunde": Freytag (damit ist nicht der von der Insel gemeint, sondern viel mehr der mit dem "Y") und Berndt, und sein Bruder, der nennt sich "Kompass". Beides sind ziemlich geniale Wanderkarten. Ausgebreitet über dem ganzen Schreibtisch begab ich mich auf eine Wanderung mit dem Zeigefinger in meiner näheren Umgebung, in Richtung Koralm.


"ziemlich beste Freunde" - nicht nur bei schlechtem Wetter

Und man sollte nicht glauben, nur, weil man schon oft in einer Gegend war, diese auch gut zu kennen. Unter anderem habe ich die weiße Sulm entdeckt, ebenso die gleichnamige schwarze, dazu 2 Wasserfälle uvm. Beste Voraussetzungen für ein paar Bilder, wo man nicht unbedingt die Sonne braucht.

Und schon war sie wieder da, die Motivation. Mein Drang, raus zu gehen führte mich zuerst zur schwarzen Sulm (das ist ein naturbelassener Gebirgsbach, der aktuell leider durch 2 Wasserkraftprojekte eine traurige Bekanntheit erfährt. Diese bedrohen seit Jahren dieses Flussjuwel. Die Gefahr, das Sie unter dem Vorwand der Energiewende in Rohren und künstlichen Staubecken verschwindet, ist groß). Die schwarze Sulm ist 35,2 km lang, entspringt in 1.715 m Höhe auf der Bärentalalm im Koralmgebiet.

Ich habe den Besuch der schwarzen Sulm mit einer kleinen Wanderung auf die Grünanger Hütte (1.575 m) verbunden. Nicht übermäßig schwierig, in knapp 2 Stunden ist das locker zu schaffen. Der Weg führt anfangs ein gutes Stück weit am Fluss entlang, steigt dann aber bald an, sodass schnell ein beachtlicher Höhenunterschied entsteht. Hoch über der schwarzen Sulm erspähe ich mehrere interessante Stellen tief unten, wo das Rauschen der Sulm "mahnend" zu hören ist.


teils wild, teils ruhig und immer wieder unterbrochen von kleineren und größeren Kaskaden, die schwarze Sulm

Etliche male verlasse ich den Weg und kraxle in Richtung dieses Rauschens, oftmals auf allen Vieren, um ein geeignetes Motiv zu finden. Durch dieses ständige Auf und Ab summierten sich meine Höhenmeter beachtlich. Schließlich schlug der Wanderweg aber eine andere Richtung ein und je näher ich zur Grünangerhütte kam, desto kompakter wurde eine durchgängige Schneedecke. Die Grünanger Hütte liegt an keinem Gipfel, sondern viel mehr fast ein wenig versteckt im Wald. Plötzlich steht man vor Ihr, passt auch gut, ich war ohnehin schon etwas müde. Ich ging um die Hütte herum, um mir ein sonniges Plätzchen zu suchen, es war ein herrlicher Tag. Plötzlich geht hinter mir ein Fenster auf und eine freundliche Stimme fragte: "was häst´denn gerne?" Die Hütte hatte offen und ich war knapp am Herzinfarkt, hatte ich damit doch überhaupt nicht gerechnet (der Hüttenwirt erzählte mir später, das Sie auch im Winter an jedem Wochenende geöffnet haben). Und so war der Luxus eines heißen Kaffees eine willkommene Überraschung. Der nächste Schock ließ aber nicht lange auf sich warten. Beim bezahlen "zuckte" ich nochmals zusammen, hatte ich doch meine Geldbörse im Auto gelassen. So musste ich Schulden machen, die netten Worte vom Hüttenwirt ("kommst halt´ wieder einmal vorbei . . . ) beruhigten mich sehr. Ich muss wieder kommen, yes!!


einer der vielen kleinen Zuläufe der schwarzen Sulm



Am darauf folgenden Wochenende machte ich mich auf zur weißen Sulm. Sie verläuft in ähnlicher Richtung, halt nur 3 oder 4 Täler weiter nördlich (sie ist 28,3 km lang, die Quelle entspringt in ca. 1.570 M Höhe auf der Brendlalm. Schlussendlich vereinigt sie sich Im flachen Land dann mit der schwarzen Sulm.

Für diese Tour hatte ich mir zwei Fixpunkte vorgenommen: Den Sulmwallerfall und eine ganz spezielle Stelle, wo es -angeblich- Steintafeln aus Gneis gibt, die vom Wasser geschliffen und poliert sind und somit einzigartige Muster aufweisen. Diese Steinformationen waren aber durch den Schnee nicht leicht zu finden. Außerdem ist Eisklettern nicht meine Spezialdisziplin.



erinnert fast "ein wenig" an den Tauglbach, die Muster der Granitplatten

Die weiße Sulm ist ein Juwel. Ursprünglich und eigenwillig bahnt Sie sich Ihren Weg durch Felsen, begleitet von steilen Böschungen und nur sehr schwer zugänglichen Stellen.


ein ganz feines Gefühl, diese weitgehend unberührten Teile der weißen Sulm zu erkunden

Der gleichnamige Wasserfall hingegen ist vergleichsweise leicht über einen Forstweg in 10 Minuten zu erreichen. Es ist dies kein typischer Wasserfall, wo das Wasser über eine Geländekante senkrecht in die Tiefe stürzt, vielmehr braust das Wasser hier über mehrere Steinstufen breit und mächtig an die 120 Meter zu Tal.


das Eis machte nur ein seitliches Bild vom Sulmwasserfall möglich

Wasser in seinen verschiedensten Formen: dominant fließend und gefroren als Eis

Aber auch hier macht das Eis das Suchen nach geeigneten Plätzen zu einer kleinen "Challenge". Unmittelbar nach dem Wasserfall beruhigt sich die weiße Sulm wieder und bildet viele kleine Wasserbecken, die eine Fülle von Motiven ermöglichen. Diese bieten sich wohl sehr an, hier im Frühjahr noch einmal her zu kommen. Nicht aber vorher meine "ziemlich besten Freunde" genauestens zu befragen 😉






Skulpturen aus Eis und Schnee, gefunden in einem ruhigen Teil der weißen Sulm














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