Torn betwenn two Lovers.


Die Erinnerung an die unverwechselbare Stimme der Mary Mc Gregor und Ihrem "Gassenhauer" aus den 1976-er Jahren wird wohl der eher älteren Leserschaft vorbehalten sein.

Ihr Titel beschreibt in perfekter Präzision, was ich in den letzten beiden Wochenenden erleben durfte, nämlich ein Erleben von so starken Gegensätzen kurz aufeinander folgend, sowohl was die Landschaft betrifft, wie aber vor allem, das Licht!

Letztes Wochenende zog es micht für einen 2-Tages Trip in die Obersteiermark, genau gesagt in Richtung Sölkpass. Dort liegen -relativ unbekannt, am Rande des Naturparkes Sölktäler- die beiden Zwieflerseen. Bekannt durch die üppig reiche Almrauschblüte im Spätfrühling machte ich mich bei feinstem Bergwetter auf den steilen, ca. 2 stündigen Marsch. Noch immer etwas "geschockt" von meiner grottenschlechten Kondition auf den Hochobir vor ein paar Wochen schluckten meine Oberschenkel die Höhenmeter diesmal anstandslos. Fotoausrüstung, Zelt & Co. zeigten sich gnädig.


charakteristisch: jede Menge Latsch´n und viel attraktiver Wald im feinsten Licht

Der auf gut 1.800 Meter gelegene untere der beiden Zwieflerseen liegt herrlich eingebettet am Fuße von Eisenhut und Breitdach Im Westen und ermöglicht in Richtung Osten herrliche Blicke auf Hornfeldspitz und Ameisstein. Großes Kino in der Sölk!

Da ich ja mittlerweile eine Art "Rookie-Berg-Camper" bin, gilt neuerdings mein erstes Augenmerk nach Erreichen meines Zieles dem Finden eines geeigneten Zeltplatzes. Der erste Eindruck war vielversprechend, liegt der See doch auf einem weitläufigen Hochplateau. Dieses stellte sich aber rasch als ein extrem nasses und matschiges Hochmoor heraus. Keine gute Option, hier das Zelt auf zu stellen. Etwas erhöht fand sich dann aber rasch ein halbwegs ebenes Platzerl am westlichten Ende des Sees.

Es war ein herrlicher Nachmittag mit warmer Herbstsonne und sehr wenig anderen Wanderern. Sehr schnell umgibt mich ein Gefühl von Stille und Zufriedenheit. Und ich hatte genügend Zeit, mir zu überlegen, wo ich mich für den Sonnenuntergang platzieren werde. Ich entschied schlussendlich, in Richtung Osten zu fotografieren. Ich spekulierte hier auf ein feines Alpenglühen. Das Licht war glasklar und tauchte das Ufer befindliche Gras in wunderbar warme rot-braune Töne.



Der untere Zwieflersee in Richtung Westen kurz vor Sonnenuntergang in herrlich klarem Licht

Der Himmel war "fetz-blau" und nicht ein Wolkenfetzerl war auszumachen. Na ja, ein wenig Zeit für einen farbenprächtigen Sonnenuntergang blieb ja noch. So angenehm warm und und klar das Licht auch war, so blieb es aber bis zum Abend. Nicht die Spur einer kleinsten Wolke verirrte sich am Himmel und so musste ich auf die "großen Farben" verzichten. Die Szenerie war so unglaublich "knack scharf", das es schon wieder außergewöhnlich war.


im Vordergrund dieses wunderschöne Gras, im Hintergrund ein Alpenglühen vom feinsten am unteren Zwieflersee.


Die Nacht über war ich überraschenderweise nicht alleine. Ein Vater campierte mit seinem Sohn am anderen Ende des Sees, bewaffnet mit ausreichend Frankfurter Würstel am Grill! Lagerfeuer-Romantik! Dennoch kann meine mitgebrachte Jause mit besten Zutaten und selbst gebackenem Brot von meiner lieben Claudia da locker mit halten (aber: ich rüste auf: Gaskocher, Camping-Outdoor-Geschirr & Co. sind bereits bestellt)!

Zwei Dosen Bier und ein paar Stunden Schlaf später stand ich schon wieder an einem, jede Menge Kälte abgebenden Bergbach. Sein Rauschen begleitete mich die ganze Nacht. Hier beschloss ich, den Sonnenaufgang fotografieren.


Sonnenaufgang in Richtung westen fotografiert - wieder ohne Wolken-

Ich bin mit der Komposition des Bildes recht zufrieden. Aber, was soll ich sagen, Keine einzige Wolke ließ sich am Himmel blicken! Insgeheim besteht die große Hoffnung der Landschaftsfotografen auf tolle Wolkenformationen, um möglichst viel (Farb)-stimmung in ein Bild zu bekommen. Je länger ich allerdings diese Bild betrachte, desto mehr Freude finde ich auch an solch knackig scharfen Szenerien.

Genau das Gegenteil sollte sich mir demnächst offenbaren.



Ein Wochenende später und ca. 200 km südlicher, quasi vor meiner Haustüre. Schon die ganze Woche gab es einen spektakulären Sonnenaufgang nach dem anderen, da ist der Weg ins Büro besonders schwer! Aber auch für das Wochenende waren die Wettervorhersagen ähnlich vielversprechend.

mehr geht fast nicht: Morgenstimmung in Richtung St. NIkolai im Sausal

Wenn man beim entwickeln der Bilder den Sättigungs-Regler nach links schieben muss, weil die Farben förmlich aus dem Bild "herausrinnen", dann kann man schon von einer ganz besonderen Stimmung sprechen. Diese ganze Szenerie wird dann noch mit entsprechendem Nebel in den Tälern verfeinert, und so entstehen dann solch seltenen Momente.

Blick in Richtung Klagenfurt und Wörthersee


Ich bin tief beeindruckt ob dieser unglaublichen Vielfalt, die uns die Natur schenkt. Das Privileg, auf diesem herrlichen Fleckerl Welt leben zu dürfen, ordne ich sehr, sehr hoch ein.


Und um nun abschließend die Frage zu beantworten, was mich nun mehr beeindruckt , nämlich pin- scharfe Bergkonturen bei klarem Licht oder verträumte, barock gefärbte Himmel mit Nebel verfeinert?

Ich kann es nicht entscheiden. Eben "Torn between two Lovers"!


lediglich der Zaun stört hier . . .

Alles Liebe, Klaus







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