Die WienerInnen sind ganz schön durstig

oder: die Steirer als "Wasserträger für Wien"


Ich hatte mich bisher nie richtig intensiv mit der Frage beschäftigt, woher denn eigentlich das viele Wasser für die Versorgung einer Großstadt herkommt. Aber, immer auf der Suche nach interessanten und vielleicht auch etwas ausgefallenen Motiven für meine Fotografie habe ich weit mehr als nur eine Antwort auf diese Frage gefunden.

Um an die „Quelle“ dieser Antwort zu gelangen, ist ein kleiner Schritt zurück in den letzten Winter, notwendig. Es war so ein typischer Tag, der so gar nichts hergeben wollte: draußen war es kalt und nass. Schnee lag keiner und eine dicke Suppe aus Wolken und Nebel ließ diese fürchterliche „da kann man echt gar nichts machen“ Stimmung aufkommen. Ich suchte in den unendlichen Tiefen des Internets nach Bildern, die meine Stimmung etwas aufbessern sollte. Doch sogar das schien zu misslingen . . . .

Mitnichten!



Inmitten dieser tristen und nebelverhangenen Stimmung poppten plötzlich Bilder auf, die meine volle Aufmerksamkeit erlangten. Kleine und große Felsblöcke, mit sattgrünem Moos überzogen in einem wunderschönen Waldstück. Und dazwischen schlängelten sich dutzende strahlend weiße Bachläufe den Hang hinunter. Und es tat sich ein wahrer Schatz auf. Meine Finger „tanzten“ immer schneller auf der Tastatur und auch mein Puls stieg merklich an. Was ist das bitte, und vor allem wo ist dieses geniale Schauspiel?

Schnell war klar, hier musste ich „genauer hinschauen“. Da war von einer Quelle die Rede und von einem Ereignis, das mit der Schneeschmelze zu tun hat. Je nachdem wie stark diese ausfällt, war hier einmal im Jahr „High Noon“. Der Ursprung der 2. Wiener Hochquellenleitung war gefunden!

Je nachdem, wie viel Schnee sich im Winter am Hochschwab Massiv gesammelt hat, tritt hier mehr oder weniger (zu) viel Wasser aus dem Boden und ergießt sich in mehreren kleinen und größeren Bächlein über einen Berghang, um schlussendlich in die Salza zu münden. Genial.



Eines dieser Wasserläufe, die sich zur Schneeschmelze bilden. Danach sind Sie wieder komplett verschwunden.


Das musste ich sehen. Meine „Recherche-Räder“ begannen sich zu drehen. Schnell war klar, dass dies ein entsprechend hoch geschütztes und gesperrtes Wasserschutzgebiet ist, was einleuchtet. Um hier einen -begehrten- Eintritt zu erlangen, bedurfte es einer Genehmigung. Ein paar Wochen und etliche E-Mails mit der Stadt Wien später hielt ich diese wie eine Trophäe in meinen Händen.

Ich durfte -nach Absprache mit dem lokalen Mitarbeiter vor Ort- dort fotografieren. Die nächste Hürde: das richtige Timing! Und hier hat mich der Mitarbeiter unglaublich zuvorkommend unterstützt. Unzählige Male haben wir telefoniert, ob es „schon rinnt und sprudelt“. Man kann den Zeitpunkt nämlich äußerst schwer voraussagen. Da geht es um die Temperaturen am Berg, die Menge des Schnees und und und.



Lange Rede . . . . vor ca. 10 Tagen läutete mein Telefon: “es sprudelt, kannst kommen“. Die langersehnte Antwort war da. Und so machte ich mich gemeinsam mit Jürgen Weginger (www.weginger-photography.at / https://m.youtube.com/c/JürgenWeginger ) auf, diesen besonderen Platz zu erkunden.





Zur Zeit der Schneeschmelze werden hier sämtliche unterirdische Pools und Becken mit Wasser derart überfüllt, das dieses überschüssige Wasser genau da aus dem Boden quillt und für kurze Zeit dieses Naturschauspiel ermöglicht.

Eine tosend zischende Geräuschkulisse und der markante Kontrast zwischen den unendlich weißen Wasserläufen und dem bereits satt grünen Moos auf den Felsen „erschlägt“ einen förmlich. Um interessante Kompositionen zu finden, muss man schon sehr genau hinschauen. Aber irgendwie klappt heute einfach alles. Der Regen hat aufgehört, lässt aber die Farben so richtig leuchten und es ist bewölkt. Perfekte Verhältnisse. Wir können so lange bleiben, wie wir möchten. Stunde um Stunde vergeht und es ergeben sich immer neue Perspektiven. Dazwischen bleibt oft zu wenig Zeit, unsere Objektive von der Wassergischt zu reinigen.



Dieser Platz ist etwas Besonderes. Das liegt allein schon daran, dass dieses „Schauspiel“ nur einmal pro Jahr auftritt. Es war ein langer Weg von der Planung bis zu den Bildern. Hier gilt mein ganz großer Dank der Abteilung MA-31 Wiener Wasser mit Ihren hilfsbereiten MitarbeiterInnen!


Teilweise bahnt sich das Wasser direkt unten den Bäumen den Weg an die Oberfläche


Ein paar spannende Fakten zum Abschluss: das Wasser der Kläfferquelle braucht ca. 8 Stunden, um vom Inneren des Berges bis zur Quelle zu gelangen (je länger das Wasser da unterwegs ist, desto reiner ist es durch die natürliche Reinigung der Felsen). Von dort machen sich dann bis zu 217 Millionen Liter Wasser täglich(!) vom Salzatal auf den Weg nach Wien. Dabei werden an die 360 Höhenmeter überwunden und nach etwa 36 Stunden fließt das Wasser dann aus unzähligen Wiener Wasserhähnen, Duschköpfen etc.

Diese ganze „Wasserleitung“ ist so konstruiert, das auf dem gesamten Weg in die Bundeshauptstadt keine einzige Pumpe notwendig ist! Unglaublich. Und so kann man hier schon von den „Steirern als Wasserträger für Wien“ sprechen (kurze Anmerkung: das Wasser für die steirische Landeshauptstadt Graz stammt, sehr grob ausgedrückt, aus der ziemlich genau gegenüberliegenden Seite des Hochschwab Massives und wird im St. Ilgener Tal gefasst).
























































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